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Moussa Kone: Diffuse Antagonismen Die bildende Kunst unterscheidet sich seit der historischen Avantgarde von den meisten anderen kulturellen Sparten vor allem durch eines: Sie tritt meist im Doppelpack mit einem Text auf. Mehr als Theater, Film, Musik oder Literatur scheint sie kommentarbedürftig geworden zu sein. Seit geraumer Zeit reflektiert Moussa Kone die Hassliebe zwischen Kunst und Kritik in seinen Zeichnungen und Gemälden. Häufig steht dabei eine nackte Figur für die Kunst, ein/e AnzugträgerIn für die Kunstkritik, und meist verarbeitet der Künstler dabei kunsthistorische Vorbilder: So wird etwa Manets „Frühstück im Grünen“ zum Anlass, über Herr-Knecht-Verhältnisse zu sinnieren. Nicht zwingend müssen Moussa Kones gesichtslose Wesen allerdings für zwei Professionen stehen, sie können auch allgemeiner begriffen werden, als Vertreter des Gegensatzpaares Emotion und Intellekt. Sein Diptychon „Opfer“ etwa lässt drei Köpfe und drei Körper im Anzug rotieren: Die Ideen existieren auch ohne ihre Träger. Schon in seiner ersten größeren Einzelausstellung zeigte Moussa Kone Anzugträger, die sich in verfliesten Räumen über einen nackten Liegenden beugen – distanzlos hängen ihre Krawatten über die Leiche. Später führte er diese „Jury(Section)“ in einer Serie von Tuschezeichnungen weiter, im Laufe derer sich die Jurymitglieder vermehren – am Ende staffeln sich 23 Anzugträger um den ausgezehrten Künstlerleichnam. Moussa Kone interessieren Dichotomien aber auch auf einer formalen Ebene: Zum Beispiel jene zwischen zwischen Schrift und Bild. Zunehmend arbeitet er nur mit Tusche – das kommt dem Schriftlichen näher. Ganze Flächen füllt er aus mit dicht an dicht gesetzten Tuschestrichen, ersetzt das Malerische durch die Zeichnung. Auch sein „DRachen“, der einen Reiter mit einem Ornament aus der Buchillustration kombiniert, bringt das zum Ausdruck. Ebenso verschwinden zwei Figuren, die gerade noch vor und hinter einer in spektakulärer Weise verkürzten Wand hervorlugen und die alttestamentarische Susanne im Bade begaffen. Das dominante Bildelement wird, in Kones Bearbeitung, zu einem schwarz-massiven Stein. Gerade mit seinen scheinbar so exakten Setzung von Gegensätzen tut Moussa Kone doch nichts anderes, als vermeintlich klare Antagonismen immer wieder zu transzendieren und in Zweifel zu ziehen. Nina Schedlmayer Aus: Krejs, Christiane; Jing, Zuo: "Potential Dialogue". RCM Art Museum Beijing, 2006. (Katalog zur Ausstellung) |