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MISSING: DISCOURSE. Warum nicht: Ein Opernlibretto über den fehlenden Kunstdiskurs Im Szenejargon verfasst und mit wenig verfremdeten Institutionsnamen gespickt, ironisiert der Schriftsteller Erwin Uhrmann als Texter des Opernlibrettos die zwischen marktfixierter Performance-Kunst, Stipendien- und Brotjobbewerbungen, Ankaufsintrigen und Vernissagen-Netzwerken pendelnden Künstler und deren Suche nach Anerkennung in der Aufmerksamkeitsökonomie. Wiewohl einige Stränge dieses spezielleren Kollekivwerbens sehr zeitnah abbildend, kreist das espritreiche Mehrebenenstück in vier Akten um den fehlenden kritischen Theorie-Diskurs, der in den 90ern die Kunstwelt erschlagen habe und nunmehr sozial verbreitert sei. Bis auf den seriösen Protagonisten Hannes Sabians werden sämtliche Diskursakteure durch - von Moussa Kone genial gezeichnete - Tiere verkörpert: Die Künstler der Stadt Muquay sind Nage-, die Sammler Raubtiere, Kritiker schwarz-weisse Kreaturen, die Galeristen werden durch Reptilien und das im Chor reimende Publikum durch Frösche dargestellt. Der Diskurs dominiert den letzten Akt in der NAP NITE als tanzendes Phantom und performative Gewalt. Bei unbedingt wünschenswerter Realisierung der Oper werden das im Off agierende Ensemble mit Instrumenten und diese an die Handlungsräume gekoppelt, die so entstehende, in die beleuchteten Gänge übertragene Musik von Martin und Dietmar Haltrich baut am historischen Opernkanon auf: Ein kollektiv praktiziertes Störmäandern durch Räume und Zeit. Zu bestellen unter www.missingdiscourse.com Aus: the gap, Nr.083, Februar 2008, S.20 |